Die Geschichte des Ortsvereins

Im Jahre 1848 wurde der Braunschweiger Arbeiterverein gegründet, den man als Vorläufer der Sozialdemokratischen Partei im Braunschweiger Gebiet ansehen kann.

1875 rief Heinrich Harms den Ortsverein Broitzen der „SPD" ins Leben, nur sechs Jahre, nachdem Bebel und Liebknecht in Eisenach die „Sozialdemokratische Arbeiter Partei" gegründet hatten. Schon 1878 begann eine schlimme Zeit für die Sozialdemokraten: Bismarck verkündete das Sozialistengesetz. Mitglieder und Anhänger dieser Partei standen unter Ausnahmerecht. Parteifunktionäre konnten von der Polizei sogar aus ihren Wohnungen ausgewiesen werden.

Die Arbeit des Ortsvereines wurde von allen Seiten erschwert, so mussten u. a. Neujahr 1889 alle Mitglieder des Arbeitervereins dem Bürgermeister gemeldet werden. Die Genossen unter 21 Jahren wurden im Verein als Strichmitglieder geführt, da sie sich politisch betätigten.
Nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes wurde im Jahre 1890 erneut durch Heinrich Harms ein »Sozialdemokratischer Verein« gegründet. Zu den ersten Mitgliedern zählten die Genossen Fritz Ohlendorf, Fritz Achilles, Hermann Siedentop, Albert Klauenberg, Wilhelm Heike und Karl und Fritz Viedt. 1895 traten dann die Genossen Otto Kosel, Julius Fleige, Christoph Heim, August Herrmann, Wilhelm Runge, Heinrich Harms jr., Otto Habermann dem Verein bei.
Die Mitgliederversammlungen fanden bei Eggers und Balke (»Zur Eiche« - Heute Landhaus Hunger) statt. Auf Antrag des Ortsvereines wurde 1894 der heutige Saal in der Gastwirtschaft »Zur Eiche« gebaut, dessen Einweihung im Jahre 1895 erfolgte. Erbaut wurde der Saal durch den Genossen Balke.

Als erster Parteierfolg war die Aufnahme des Genossen Heinrich Harms in den Gemeinderat zu verzeichnen. Ihm folgten die Genossen Karl Viedt, Juljus Fleige, Albert Klauenberg und Wilhelm Runge. Es waren immer etwa 3 Mitglieder im Gemeindeparlament vertreten. 1900 wurde August Viedt Kassierer.

Weiter wurden im Jahre 1905 die Genossen Otto Glimann, Heinrich Harms jun., Hermann Meier und Hermann Heumann aus Stiddien wegen Verteilung von Flugblättern in Timmerlah durch das Amtsgericht in Vechelde zu je 70, - Mark Geldstrafe verurteilt. Die Verteidigung der Genossen erfolgte durch Dr. Heinrich Jasper, der den Amtsrichtern durch seine Art manche Belehrung erteilte.

1909 wurde auf Anregung der Genossen Kosel, Achilles u.a.. eine Verkaufsstelle des Konsums eröffnet. Auf Antrag und Beschluss einer Parteiversammlung wurde durch den Genossen Harms ein Haus mit Räumen für den Konsum gebaut.

Nach dem Tode des Genossen Heinrich Harms im Jahre 1912 übernahm Fritz Achilles den Vorsitz, den er bis 1914 inne hatte.

Mit welcher Entschiedenheit der Ortsverein damals schon gegen einen Krieg war, beweist die Aufführung des Theaterstückes »Die Waffen nieder«. Die Mitwirkenden waren u. a. die Genossen Fritz Achilles, Bernhard Fleige, Theodor Arnold, Albert Peters und Alwine Schwerdtfeger. Diese Genossen waren auch bis 1914 im Ortsverein führend tätig. Durch den Krieg 1914 - 18 löste sich der Ortsverein auf.

Die Neugründung erfolgte 1919 durch den Genossen Fritz Achilles in Zusammenarbeit mit Gustav Harms, Otto Kosel, Otto Achilles, Bernhard Fleige und Emil Donath. Wenn auch der Ortsverein nicht mehr so wie vor dem 1. Weltkrieg bekämpft wurde, so wurden doch noch ziemliche Anforderungen an die Genossen bei der Flugblattverteilung usw. gestellt. So ist es sogar verschiedentlich vorgekommen, dass sie mit Hun­den von den Höfen gejagt wurden. Der südwestliche Bezirk Braunschweigs wurde von Broitzem aus bearbeitet und bei Wahlen geleitet und überwacht. 1920 erfolgte auch in Broitzem die Spaltung des Ortsvereins in SPD und USPD. Die Broitzemer Genossen gehörten größtenteils der USPD an. An Stelle der Parteizeitschrift «Der Volksfreund« erschien «Die Freiheit«.

1933 wurde die Sozialdemokratische Partei verboten. Wie überall im Reich wurde ein Teil der Genossen aus Broitzem verhaftet und misshandelt, insbesondere der verstorbene Ge­nosse Ernst Fricke.

1945 sammelte Genosse Fritz Klauenberg die Genossen wieder und gründete einen neuen Ortsverein. Besonders bemühten sich die Genossen Robert Spieler, Fritz Spandau jun. und Otto Brunke um die gute Entwicklung des Ortsvereins.

1952 stellte der Ortsverein erneut den Bürgermeister der Gemeinde Broitzem mit Otto Brunke, sowie 7 Ratsmitglieder.

1955 hatte der Ortsverein 101 Mitglieder.

1969 wurde Paul Bogus Bürgermeister Broitzems.

1974 wurde Broitzem im Rahmen der Eingemeindungen von der Stadt Braunschweig übernommen und ist seither ein Stadtbezirk Braunschweigs. Mit der Eingemeindung behielt Paul Bugus das Amt des Bezirksbürgermeisters und wurde auch Ratsmitglied der Stadt Braunschweig. In seiner 12 -jährigen Amtszeit als Bürgermeister und dann Bezirksbürgermeister entstanden die "Neue Schule", das Gemeinschaftshaus, der "alte Kindergarten" und das Feuerwehrgerätehaus, sowie das Neubaugebiet südlich des "Wasserturmes".

Seit der Eingemeindung Broitzems 1974 gehört der SPD Ortsverein zum Unterbezirk Braunschweig.

1975 feierte der Ortsverein sein 100-jähriges- und folglich im Jahr 2000 dann das 125-jährige Bestehen.

Heute hat der Ortsverein 60 Mitglieder, ist mit 4 Mitgliedern im Bezirksrat vertreten und stellt mit Meike Rupp-Naujok nach 30 Jahren wieder den Bezirksbürgermeister.